Rekrutierung unter Druck: Talentwechsel in der Schweizer Tech-Branche
Schweizer Unternehmen stehen, wie viele ihrer globalen Kollegen, einer Vielzahl konkurrierender Herausforderungen gegenüber.
Der Hype um KI-Optimierung und sinkende Gewinnmargen, gesättigte Märkte und ständige Kompetenzlücken, Compliance-Druck und regulatorische Fragmentierung – die Liste ist lang, und sie wird durch einen gemeinsamen Nenner verbunden: Talent.
Im Folgenden beleuchten wir die neuesten Trends und Herausforderungen auf dem Tech-Arbeitsmarkt, die die sich schnell verändernde Einstellungslandschaft in der Schweiz prägen.
Cloud-Talente gewinnen an Bedeutung
Der Schweizer Arbeitsmarkt, der zu Beginn des Jahres um fast 20 % geschrumpft ist, nimmt wieder Fahrt auf, vor dem Hintergrund eines leichten BIP-Wachstums und erheblicher Investitionen in Sachanlagen, darunter Microsofts jüngste Investition von 400 Millionen USD in Cloud- und KI-Infrastruktur.
Mit einem erwarteten Wachstum des Public-Cloud-Marktes von 140 % in den nächsten zehn Jahren konkurrieren die Tech-Pioniere der Schweiz um besonders gefragte Fähigkeiten. Laut unseren LinkedIn-Daten sind die am schnellsten wachsenden Kompetenzen im Bereich Cloud Engineering, über alle Senioritätsstufen hinweg, in den letzten 12 Monaten:
- ITIL-Prozesse: +100 %
- ITIL-Implementierung: +99 %
- Systemkonfiguration: +98 %
- Cloud-Speicherung: +77 %
- Datenarchitektur: +76 %
- Cloud-Sicherheit: +49 %
Die Zahl der Cloud Engineers in den Bereichen Banken, Bildung und Versicherungen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, ein Zeichen dafür, dass Tech-Talente nicht nur stark nachgefragt sind, sondern zunehmend in Branchen eingebettet werden, die sich in einer nachhaltigen digitalen Transformation befinden.
Besonders gefragt sind Kandidaten mit Expertise in Azure OpenAI sowie Multi-Cloud-Spezialisten, die sowohl mit Azure als auch AWS arbeiten können.
Ein wesentlicher Treiber ist die zunehmende Nutzung mehrerer Anbieter, um Kosten zu sparen und Abhängigkeiten zu vermeiden. Fachleute mit plattformübergreifendem Know-how sind dadurch hoch im Kurs, da sie Unternehmen helfen, in komplexen Umgebungen flexibel zu bleiben.
Zertifizierungen im Bereich Cloud Engineering und -Architektur, einschließlich Terraform, sind ein wichtiges Plus. Cloud-Experten mit nachgewiesener Erfahrung in regulierten Branchen genießen aktuell eine besonders hohe Beschäftigungsfähigkeit, insbesondere in der Schweiz und den USA.
Das Talent-Paradox
Wir sehen einen Markt, der einstellt, aber es fühlt sich nicht immer so an. Trotz messbarem Wachstum spiegelt die allgemeine Stimmung unter Kandidaten ein anderes Bild wider.
Wodurch entsteht diese Diskrepanz?
- Operationalisierung von KI/ML: Unternehmen versuchen, ihre KI-Tools effizient einzusetzen. Trotz der Beliebtheit ist der Markt für diese Talente eng. Gesucht werden hochspezialisierte Fähigkeiten, etwa im Bereich Agentic AI.
- Sättigung in bestimmten Funktionen: Ein Anstieg an Bewerbungen erhöht die Anforderungen an Sichtbarkeit und Passgenauigkeit.
- Automatisierung: Die Nachfrage nach Berufseinsteigern sinkt, da manuelle Prozesse zunehmend automatisiert werden. Gleichzeitig verändern sich dadurch die benötigten Kompetenzen und Teamstrukturen.
- Regulatorische Unsicherheit: Aufgrund steigender Compliance-Anforderungen zögern viele Unternehmen, Transformationsprojekte voranzutreiben, was selbst bei vorhandenem Budget die Einstellungsgeschwindigkeit bremst.
Für Bewerber kann es sich so anfühlen, als ob sich Türen schließen, obwohl der Markt wächst. In dieser Phase gilt es, strategisch zu handeln: Je spezialisierter und anpassungsfähiger Sie sind, desto wertvoller sind Sie in einem Arbeitsmarkt, der zunehmend auf Agilität setzt.
Wohin sich Tech-Talente bewegen
Die gefragtesten Fähigkeiten in der Schweiz entwickeln sich rasant, und sie werden zunehmend schwieriger zu definieren. Entscheidend ist der Einsatz von Skills in regulierten Umgebungen, in Legacy-Systemen und in KI-nahen Funktionen. Das verdeutlicht eine Ära der Verfeinerung.
Der Markt befindet sich zwar in einem Umbruch, doch die Schweiz bleibt eines der weltweit führenden Ziele für Top-Talente, mit einigen der höchsten Tech-Gehälter weltweit (Software Engineers verdienen durchschnittlich ca. CHF 130.000 Gesamtvergütung), attraktiven Einwanderungspolitiken, einem innovationsreichen Ökosystem und allgemeiner Stabilität.
Mit zunehmenden Investitionen und Initiativen ist die Schweiz gut positioniert, die Zukunft der Tech-Arbeitswelt mitzugestalten. Wir befinden uns in einer Übergangsphase, und Chancen liegen bei denen, die ihre Talentprioritäten an die sich wandelnden regulatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen anpassen können.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Wenn Sie individuelle Einblicke in Ihren Einstellungsprozess und dessen Einordnung in den Gesamtmarkt wünschen, spricht unser Schweizer Team gerne mit Ihnen. Kontaktieren Sie mich direkt: alex.okla@trustinsoda.com